Bisher war noch jeder ergriffen

„Obersau" Erwin Meier über Motorrad fahren und christlichen Brauch

Obersau Erwin Meier

Zum zwölften Mal veranstaltet der Ebersberger Motorrad-Club „Sauhaufen" am morgigen Sonntag seine Motorradweihe in Halbing. Der Gottesdienst ist um 11 Uhr - bei jeder Witterung. Anschließend fahren die Biker im Konvoi über Motzenberg durch Ebersberg zur Kugler-Alm. Unser Redakteur Robert Langer sprach mit Clubvorstand „Obersau" Erwin Meier über das Image der Motorradfahrer und die Akzeptanz der Veranstaltung in der Bevölkerung.

Motorradfahrer haben nicht unbedingt das Image, besonders christlich zu sein. . .

Meier: Nur ein Vorurteil. Motorradfahrer gibt es in jeder Sparte unserer Gesellschaft. Mitglieder von Clubs sind christlich oder nicht christlich wie andere Leute. Wenn auch bei einigen Motorradfahrern der Schutzengel nicht so schnell fliegt, wie manche fahren. Bei unserer Motorradweihe war bisher noch jeder ergriffen. Wir gehen ja auch mit unserer Motorradkluft in die Kirche, beispielsweise für das Jahramt eines verunglückten Mitgliedes. Darauf bestehe ich auch. Wir brauchen uns doch nicht dafür zu schämen, dass wir Motorradfahrer sind. Wir engagieren uns in der Gesellschaft, helfen bei anderen Vereinen mit. Beispielsweise haben wir die Aktion der Ebersberger Zeitung für Simone unterstützt, das kranke Mädchen in Anzing.

Braucht man für eine solche Veranstaltung wie die Weihe einen ganz besonderen Geistlichen?

Meier: Sicher. Pater Günther war schon im vergangenen Jahr bei uns. Er kommt aus Österreich und fährt selbst Motorrad, eine rote BMW.

Wie ist die Idee zur Motorradweihe entstanden?

Meier: Das passierte aus einer Stammtischlaune heraus. Den Club „Sauhaufen" gibt es seit 13 Jahren. Die Motorradweihe machen wir heuer zum zwölften Mal. Angefangen haben wir mit 42 Teilnehmern. Beim zehnjährigen Jubiläum waren es dann weit über fünfhundert. Und auch, wenn es mal geregnet hat, waren zwischen 250 und 270 Leute da. Diesmal hoffen wir natürlich auf gutes Wetter.

Woher kommen die Gäste?

Meier: Aus ganz Deutschland bis hinauf in den Norden und auch aus Österreich. Da haben sich schon manche Kontakte ergeben mit gegenseitigen Besuchen. Eine Abordnung schicken natürlich auch die Grafinger Motorradfreunde. Bei den Bikern selbst gibt es dann kaum Unterschiede. Natürlich hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Motorradfahren ist zu einem teuren Hobby geworden. Die Spritpreise steigen ständig und auch die Versicherungen ziehen an. Und dann ist es natürlich schon ein Unterschied, ob ich eine Harley fahre oder einen Japaner. Wenn man sich dann miteinander unterhält, versteht man sich trotzdem. Es kommt eben immer darauf an, wie man mit den Menschen umgeht.

Wie werden die Motorradfahrer versorgt?

Meier: Wir bieten für die auswärtigen Gäste Schlafgelegenheiten an. Eine eigene Zeltstadt bauen wir aber nicht auf. Dafür bräuchten wir eine eigene Genehmigung. Bei der Weihe selbst gibt es keine Verköstigung, erst am Endpunkt des Konvois an der Kugler-Alm. Die Bewirtung können wir mit unseren 22 Mitgliedern nicht selbst machen. Dafür sorgt dann das Team der Gastwirtschaft. Wir helfen mit. Das klappt super. Da schimpft keiner, wenn es etwas länger dauert.

Apropos Genehmigung. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen?

Meier: Sehr gut, da gibt es keine Probleme. Wir haben nur positive Erfahrungen mit der Ebersberger Polizei gemacht. Die schicken üblicherweise auch einen Kollegen auf dem Motorrad vorbei. Die Feuerwehr unterstützt uns bei der Absperrung, und das THW hilft uns auch. Mit dem Eigentümer des Grundstücks in Halbing, auf dem die Weihe stattfindet, arbeiten wir gut zusammen. Wir machen hinterher alles wieder sauber. Jede Zigarettenkippe wird aufgesammelt.

Und wie ist die Resonanz in der Bevölkerung auf die Weihe und den Konvoi?

Meier: Überwiegend positiv. Unsere Veranstaltung kommt teilweise sogar sehr gut an. Manchmal gibt es Kritik, vor allem wenn wir im Konvoi durch die Stadt fahren und dann dazwischen niemand über die Straße kommt. Ich würde mir wünschen, dass mehr Ebersberger bei der Weihe dabei sind.

Wann haben die Vorbereitungen begonnen?

Meier: Schon im November geht es los mit der Organisation. Wir müssen uns um vieles kümmern, Termine ausmachen. Es ist aber neben dem internen Grillfest unsere einzige Veranstaltung im Jahr. Die Kosten tragen wir selbst. Sie kommen teilweise durch den Verkauf von Blumesträußen für die Weihe wieder rein. Die werden von uns selbst gebunden und sind sehr begehrt. Die gehen dann schon ziemlich früh aus.

Kam es im Umfeld der Weihe bisher zu Unfällen?

Meier: Glücklicherweise nicht. Weder bei der Anfahrt, noch bei der Abreise ist bisher etwas passiert. Vielleicht nehmen sich unsere Gäste doch zu Herzen, was der Pfarrer zu überhöhter Geschwindigkeit sagt.

 

zurück